M5 - KI im Unterricht

Direkter Einsatz generativer KI mit Schüler*innen

I — Interaktion G — Gesellschaft ⏱ 90 Minuten

Lernziel: Sie können KI altersgerecht, pädagogisch sinnvoll und ethisch verantwortungsvoll im direkten Unterricht mit Schüler*innen einsetzen.

Kompetenzen: K3, K4, K6

📊 Präsentation zu diesem Modul →

5.1 Wie nutzen Schüler*innen KI wirklich?

⏱ 20 Minuten

Die Erasmus+-Studie (Schneider, Hasler, Varrone, Hoya, Schroffenegger, Mah & Peböck, 2025) analysierte über 17.000 Interaktionen zwischen Schüler*innen und ChatGPT in Liechtensteiner Schulen.

Die häufigsten Nutzungsmuster:

  • 🎨 Kreative Produktion: Gedichte, Geschichten, Songs, Drehbücher
  • 📝 Sprachhilfe: Grammatik, Übersetzung, Textüberarbeitung
  • 🔬 Faktenerklärungen: Naturwissenschaft, Geografie, Geschichte
  • 💪 Motivationale Unterstützung: Komplimente, Ermutigung
  • 🎯 Berufsorientierung: Karriereplanung, Zukunftsentwürfe

Überraschend: Schüler*innen nutzen KI weit über den Unterrichtsstoff hinaus — für persönliche Anliegen, emotionale Unterstützung und kreative Projekte.

Aufgabe: Welche der genannten Nutzungsmuster überraschen Sie am meisten? Notieren Sie drei — und überlegen Sie, wie Sie diese in Ihrem Unterricht aufgreifen könnten.
Beispielantwort anzeigen
Überraschend: Motivation-Suche, Berufsorientierung in der Unterstufe, kreative Produktion dominiert.
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5.2 Sieben Rollen der KI im Unterricht

⏱ 25 Minuten

Mollick & Mollick (2023) beschreiben sieben pädagogisch fundierte Rollen:

  1. KI-Tutor: Individuelle Erklärungen, schrittweises Durcharbeiten
  2. KI-Coach: Fähigkeiten und Strategien entwickeln
  3. KI-Mentor: Orientierung bei Entscheidungen (Berufswahl, Lernstrategien)
  4. KI-Teammate: Zusammenarbeit bei Gruppenprojekten
  5. KI-Werkzeug: Recherche, Übersetzung, Textüberarbeitung
  6. KI-Simulator: Szenarien, Rollenspiele, Übungen
  7. KI-Schüler: Lernende erklären der KI → „Learning by Teaching” 💡

Übung: Wählen Sie drei Unterrichtssituationen aus Ihrem Alltag und ordnen Sie die passende KI-Rolle zu. Begründen Sie Ihre Wahl.

Aufgabe: Wählen Sie drei konkrete Unterrichtssituationen aus Ihrem Alltag. Ordnen Sie jeweils eine der sieben KI-Rollen zu und begründen Sie Ihre Wahl.
Beispielantwort anzeigen
Bruchrechnung: KI-Tutor. Klimawandel: KI-Werkzeug. Referat: KI-Schüler (Learning by Teaching).

Video: Wie künstliche Intelligenz in der Schule genutzt wird

ARD — Praxiseinblick: KI im Schulalltag — 3 min

5.3 Altersgerechter Einsatz

⏱ 25 Minuten

  • Grundschule/Volksschule: Spielerischer Zugang, KI als Lerngegenstand verstehen, Programmierumgebungen (Scratch), Bildungsroboter
  • Sekundarstufe I: Begleiteter Einsatz, kritische Reflexion, erste eigene Prompts, Quellenkritik üben
  • Sekundarstufe II: Eigenständiger Einsatz mit Verantwortung, akademische Integrität, vertiefte Prompt-Kompetenz
  • Inklusion: KI für differenzierten Zugang, Barrierefreiheit, individuelle Lernpfade
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Video: Besser lernen oder weniger denken?

DW Shift — Wie KI Schule und Unterricht verändert. Praxisbeispiele aus Estland, Indien und den USA. Chancen, Risiken, Datenschutz, Plagiat. — 12 min

Video: Wie Künstliche Intelligenz die Bildung verändert

Markus Lanz (ZDF, Juni 2024) — Diskussion mit Sascha Lobo, einer Schulleiterin, einem Schüler und einem Professor. Autoritätsverlust, Hausaufgaben, Prüfungsformate, Inklusion, Elternkommunikation. — 26 min

5.4 Lernwirksamkeit — Chancen und Grenzen

⏱ 20 Minuten

✅ Positive Effekte

  • +127% Leistung mit GPT-Tutor
  • Motivationssteigerung
  • Personalisierte Lernpfade
  • Sofortiges Feedback

⚠️ Risiken

  • Überabhängigkeit
  • Sinkendes Engagement bei Programmieraufgaben
  • Deskilling
  • "Leicht zu bedienen, schwer effektiv zu nutzen" (Klar, 2025)

Entscheidend: Nicht das Tool ist ausschlaggebend, sondern die Qualität der pädagogischen Einbettung.

5.6 KI und Leistungsfeststellung

Wenn Schüler:innen KI-Werkzeuge nutzen können, verändert das die Leistungsfeststellung grundlegend. Die zentrale Frage ist nicht mehr ob KI genutzt wird, sondern wie Aufgaben gestaltet sein müssen, damit sie auch mit KI-Zugang sinnvolle Lernleistungen erfassen.

  • KI-Erkennungstools sind weitgehend unwirksam — zu viele falsch-positive Ergebnisse (HEPI, 2025)
  • Verbot ist keine Lösung — Aufgaben müssen KI-resilient gestaltet werden
  • Transparenz statt Kontrolle: KI-Nutzung offenlegen und reflektieren lassen
  • Prozess statt Produkt: Den Lernweg dokumentieren, nicht nur das Ergebnis

Zwei praxiserprobte Modelle helfen bei der Gestaltung KI-resilienter Aufgaben:

Die 4 Säulen KI-resistenter Aufgabenstellungen

Bernhard Gemeiner beschreibt vier Prinzipien, die Aufgaben widerstandsfähig gegen einfaches Copy-Paste aus KI-Systemen machen. Diese Grafik eignet sich als Planungshilfe für die eigene Aufgabenentwicklung.

Quelle: Bernhard Gemeiner

Das 3×3-Modell für KI-resilientere Aufgaben

Manuel Flick hat ein praxisnahes Modell entwickelt, das drei Dimensionen mit je drei Stufen kombiniert — ein konkretes Werkzeug für die Aufgabengestaltung.

PDF herunterladen →

Quelle: Manuel Flick, CC-BY-SA 4.0

Praktische Strategien für KI-resiliente Leistungsfeststellung

Mündliche Absicherung
  • Nachgespräch: Arbeit erklären
  • Spontane Variation: anderes Beispiel
  • 2 Minuten pro Schüler:in reichen
Prozessdokumentation
  • Prompt-Protokoll führen
  • Entwürfe und Überarbeitungen zeigen
  • Reflexion: Was hat KI beigetragen?
Aufgabendesign
  • Persönliche Reflexion erfordern
  • Lokale Bezüge einbauen
  • KI als Teil der Aufgabe erlauben
Transparenz
  • KI-Nutzung offenlegen
  • Gemeinsame Regeln entwickeln
  • Kompetenz statt Kontrolle

Selbsteinschätzung — Modul 5

Bewerten Sie sich ehrlich auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher):

Ich kann die sieben KI-Rollen nach Mollick & Mollick benennen.
Ich kann für eine konkrete Unterrichtssituation die passende KI-Rolle wählen.
Ich kann den altersgerechten KI-Einsatz für meine Schulstufe planen.
Ich kann Risiken der KI-Nutzung im Unterricht benennen und Gegenmaßnahmen formulieren.
Ich traue mir zu, nächste Woche eine Unterrichtsstunde zu planen, in der Schüler*innen KI sinnvoll nutzen.
Ich könnte einer Klasse erklären, warum man KI-Antworten nicht einfach kopieren sollte.
Ich weiss, wie ich „Learning by Teaching” mit KI als Schüler-Rolle umsetzen kann.
Ich kann einschätzen, wann KI-Einsatz im Unterricht sinnvoll ist — und wann bewusst nicht.
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