Bewertung & Prüfungskultur

Prüfungsformate neu denken im Zeitalter der KI

Wenn KI Standard-Aufgaben lösen kann, müssen sich Prüfungsformate verändern. Die Lösung liegt nicht in KI-Erkennung (die weitgehend unwirksam ist), sondern in KI-resilienten Aufgabenformaten.

Prüfungsformate neu denken

KI-Erkennungstools sind weitgehend unwirksam (HEPI, 2025). Statt Texte auf KI-Nutzung zu prüfen, brauchen wir Aufgabenformate, die auch mit KI-Zugang sinnvolle Lernleistungen erfordern:

  • Persönliche Reflexion: Aufgaben, die eigene Erfahrungen, lokale Bezüge oder individuelle Meinungen erfordern
  • Prozessdokumentation: Nicht nur das Ergebnis, sondern den Weg bewerten
  • Mündliche Anteile: Lernende erklären und verteidigen ihre Arbeit
  • KI als Teil der Aufgabe: Transparente Nutzung erlauben und reflektieren lassen

Die 4 Säulen KI-resistenter Aufgabenstellungen

Bernhard Gemeiner beschreibt vier Prinzipien, die Aufgaben widerstandsfähig gegen einfaches Copy-Paste aus KI-Systemen machen. Diese Grafik eignet sich hervorragend als Planungshilfe für die eigene Aufgabenentwicklung.

Quelle: Bernhard Gemeiner

Das 3×3-Modell für KI-resilientere Aufgaben

Manuel Flick hat ein praxisnahes Modell entwickelt, das drei Dimensionen mit je drei Stufen kombiniert — ein konkretes Werkzeug für die Aufgabengestaltung.

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Quelle: Manuel Flick, CC-BY-SA 4.0

Hausübungen im KI-Zeitalter

Wenn ChatGPT eine Hausübung in Sekunden lösen kann, stellt sich die Frage: Welchen Zweck hat die Aufgabe?

  • Üben & Festigen: Weiterhin sinnvoll — aber mit dem Bewusstsein, dass KI als Abkürzung genutzt werden kann. Lösung: Prozessbegleitende Aufgaben, Lerntagebücher.
  • Anwenden & Transfer: Aufgaben mit persönlichem Bezug, lokalen Daten oder eigener Recherche sind KI-resilient.
  • Kreative Produktion: KI als Werkzeug erlauben, aber den kreativen Prozess dokumentieren lassen.
Praxistipp: Formulieren Sie die Aufgabe so, dass die KI-Nutzung Teil der Aufgabe sein kann: „Lass dir von der KI einen Entwurf erstellen, überarbeite ihn und begründe deine Änderungen.”

Mündliche Absicherung

Mündliche Prüfungselemente sind der wirksamste Schutz gegen unreflektierte KI-Nutzung:

  • Nachgespräch: Lernende erklären ihren schriftlichen Text mündlich — wer ihn selbst geschrieben hat, kann ihn auch erklären.
  • Verteidigung: Fragen zum Entstehungsprozess: „Warum hast du diese Quelle gewählt?”
  • Spontane Variation: „Erkläre mir denselben Sachverhalt mit einem anderen Beispiel.”

Mündliche Anteile müssen nicht aufwändig sein — 2 Minuten pro Schüler:in können ausreichen.

Prozessdokumentation

Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin:

  • Lernportfolio: Schüler:innen dokumentieren ihren Arbeitsprozess — Entwürfe, Überarbeitungen, Reflexionen
  • Prompt-Protokoll: Wenn KI genutzt wird: Welche Prompts wurden verwendet? Was wurde übernommen, was verändert?
  • Reflexionsfragen: „Was habe ich selbst beigetragen? Was hat die KI besser/schlechter gemacht als ich?”
Kerngedanke: Transparente KI-Nutzung ist kein Betrug — sie ist eine Kompetenz. Die Dokumentation macht den Lernprozess sichtbar.